Freitag, 17. August 2012

Lima, mein erster Englischunterricht und der Geburtstag von Arequipa

Mensch hab ich euch viel zu erzählen, ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll ;)
Machen wir es einfach der Reihe nach :D

(P.S. Da so viel passiert ist, ist dieser Eintrag auch etwas länger geworden – ich hoffe ihr nehmt euch trotzdem die Zeit, alles zu lesen.. Danke :) )
Das heißt ich fange an in …. LIMA!
Lima ist die Hauptstadt Perus und gleichzeitig auch die größte Stadt des Landes. Da wir die letzte Woche noch frei hatten und wegen der Verlängerung unseres Visums sowieso in den ersten drei Monaten unseres Freiwilligendienstes nach Lima müssen (dort ist die Deutsche Botschaft), haben wir beschlossen, dass unsere erste Reise dorthin gehen soll.
Also haben wir uns ein Busticket gekauft, denn in Peru wird vor allem mit Bus und Flugzeug gereist.Da die Busfahrt billiger ist, haben wir uns mit unserem begrenzten Freiwilligenbudget dafür entschieden. Nachdem die Tickets gekauft waren, haben wir uns ein Hostel gesucht, reserviert, den Rucksack gepackt und dann ging es auch schon los.
Am 7. August um 17.30Uhr sind wir pünktlich (ja auch in Peru gibt es das ;D) in Arequipa losgefahren. Vor uns lagen 15 Stunden Fahrt mit einer Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h …
Aber erstaunlicherweise konnte ich auf der Fahrt ganz gut schlafen und so kamen wir am 8. August mit ca. 1,5 Stunden Verspätung wegen Stau auf der Panamericana (Autobahn), ausgeruht in Lima an.
Nachdem wir das Hostel gefunden hatten, ging die Stadterkundung los.
Darin bestanden auch unsere drei Tage. Wir haben die bekanntesten Viertel der Stadt, verschiedene Kirchen und Museen und natürlich den Strand besucht und hatten eine schöne Zeit :)

Was kann ich nun über Lima sagen?
Was mir als erstes aufgefallen ist, ist die Luftfeuchtigkeit :D
Ich bin inzwischen echt an die trockene, staubige Luft hier in Arequipa gewöhnt, sodass es richtig ungewohnt war, sowas wie Nebel auf der Haut zu spüren.
Außerdem ist Lima um einiges europäischer als Arequipa, das gilt vor allem für die reicheren Viertel, wie Miraflores oder San Isidro.
Auch wenn die Stadt auf den ersten Blick chaotisch und irgendwie trist wirkt, hat sie doch ihren Reiz. Es gibt echt schöne Ecken und Plätze und supernette Leute.
Jedoch war ich auch froh, als wir am Sonntag um 11.30 Uhr morgens mit zwei Stunden Verspätung wieder in Arequipa ankamen. Das war irgendwie wie nach Hause kommen.
Ich konnte meinen Rucksack in meinem Zimmer auspacken und in meinem eigenen Bett schlafen.
Außerdem ist es hier etwas überschaubarer und so langsam fühle ich mich hier fast wie zuhause.

Damit ihr einen Eindruck von Lima bekommt und seht, was ich gesehen habe, hier einige Bilder:
vor einer der vielen Kirchen in Lima
die Plaza de Armas
an der Plaza de Armas

der Regierungspalast
die Kathedrale an der Plaza de Armas
am Strand
in einem sehr interessanten Museum, in dem man viel über die Geschichte Perus erfährt

eine Übersicht der Kulturen, die es in Peru vor der Eroberung durch die Spanier gab - vor den Inkas geb es in Peru nämlich noch viele verschiedene Kulturen



im Parque de Aguas, einem Park mit verschiedenen Wasserspielen, die nachts durch Licht in Szene gesetzt werden
Neben den Wasserspielen wird dort auch über die Verschmutzung der Gewässer in Peru, v.a. über die Verschmutzung eines Flusses bei Lima aufmerksam gemacht - das finde ich eine sehr gute Idee!

vor der Rückfahrt haben wir uns noch vollbepackt bei Dunkin Donuts gestärkt :)

Aussicht aus dem Busfenster bei der Fahrt

Aussicht die zweite ;)
Am Montag ging es dann wieder zur Schule – ein gutes Gefühl. Endlich fängt das an, weshalb ich hier in Peru bin :)
Und das stimmt wirklich – denn ich habe heute das erste Mal Englisch unterrichtet :)
Aber der Reihe nach.
Als wir an der Schule ankamen, haben wir endlich unsere Stundenpläne bekommen.
Ich werde Montag bis Mittwoch jeweils zwei Stunden Englisch unterrichten und danach dann in den Comedor fahren. Am Donnerstag unterrichte ich ebenfalls zwei Stunden Englisch und danach gebe ich mit Lara zusammen Schwimmunterricht für die Schüler. Am Freitag bin ich den ganzen Tag im Comedor. Ich unterrichte die Klassen eins bis drei – da die erste Klasse nur aus zwei Schülerinnen besteht, wurde diese mit der zweiten Klasse zusammengelegt. Deshalb unterrichte ich die erste und zweite Klasse zusammen vier Stunden pro Woche und die dritte Klasse ebenfalls vier Stunden pro Woche.
Nachdem alle Lehrer mit dem Stundenplan zufrieden waren (er wurde nämlich in einer Lehrerversammlung gemeinsam erstellt), durfte ich dann zum ersten Mal unterrichten – ENDLICH :)
Ich habe in der dritten Klasse angefangen. Da heute der erste Schultag nach den Ferien war und an diesen Tagen nie alle Schüler da sind, habe ich eine sehr kleine dritte Klasse vor mir gehabt.
Welche Zahl kommt euch in den Kopf, wenn ihr „sehr kleine Klasse“ hört? 10 Schüler, 15?
Falsch ;)
Ich hatte zwei Schülerinnen. Die Klasse besteht normalerweise nur aus vier Schülern und heute hat eben die Hälfte gefehlt.
Aber das war für den Anfang nicht schlimm. So konnte ich in Ruhe schauen, was die Kids schon so draufhaben und mit den Mädels ein paar Lieder singen und Spiele spielen und dann war er auch schon vorbei – mein erster Englischunterricht :)
Alles in allem hat es sehr gut geklappt. Es gibt nur ein Problem – die Schrift :D
Die dritte Klasse kann am besten Schreibschrift lesen. Aber wann habe ich zum letzten Mal in Schreibschrift geschrieben? In der fünften Klasse vielleicht?
Dementsprechend wacklig war mein Tafelaufschrieb :D

meine dritte Klasse beim Tafelaufschrieb abschreiben :)

Spanisch - Deutsch - Lautschrift und Bild
Da der Comedor diese Woche geschlossen ist, habe ich Lara bei der Deutsch-AG geholfen. Da gab es dasselbe Problem: Jede Klasse kann eine andere Schrift nicht lesen. Also habe ich den Tafelaufschrieb in verschiedenen Schriften, also in Schreibschrift, Druckschrift und puren Großbuchstaben, geschrieben :D
Ich bin mal gespannt, welche Schrift ich am Ende des Jahres am besten beherrschen werde :D
Am Dienstag konnte ich leider nicht mit dem Unterricht weitermachen, denn Arequipa hat Geburtstag – die Stadt feiert am 15. August den 472. Jahrestag ihrer Gründung durch die spanischen Eroberer.
Deshalb hat jede Klasse ein typisches Gericht zubereitet (bzw. der Lehrer hat etwas mitgebracht, die Schüler haben beim Anrichten geholfen und ich durfte probieren) und die Schule geschmückt.
Außerdem gab es für die Lehrer ein typisches Gericht – Adobo (Fleisch in einer Soße mit vielen, vielen Zwiebeln, das ganze wird mit Brot gegessen).
eine Schülerin aus der dritten Klasse beim Pastel de Papa (vergleichbar mit Kartoffelgratin) mit Hühnchen -Essen

die zweite Klasse mit ihrem typischen Gericht
Adobo

Von den Schülern zusammengestellte "Arequipa-Infotafel"

die Schüler während sie einen traditionellen Tanz aufführen

Und am Mittwoch, also am Geburtstag von Arequipa, war dann keine Schule – da haben hier alle frei :)
Das kam mir aber gar nicht so ungelegen, denn ich habe mir eine Karte für ein Konzert am Dienstagabend gekauft (s. letzter Eintrag).
Und damit komme ich auch schon zu meinem „Día Arequipa“, also dazu, wie ich den Geburtstag der Stadt verbracht habe.
Dieser Geburtstag wird hier aber nicht nur an einem Tag gefeiert, sondern mindestens eine Woche.
Deshalb war ich mit Lara und unserem Gastbruder am Montagabend im Zentrum. Dort war ein Konzert mit Musik aus Arequipa und traditionellen Stücken von hier. Das war echt schön :)
Das Konzert im Zentrum
Am Mittwochmittag waren wir noch kurz im Zentrum, weil wir noch was erledigen mussten – aus kurz wurde leider nichts. Im Zentrum war nämlich ein Umzug von einem Stadtviertel Arequipas zu Ehren der Stadt. Außerdem waren so viele Taxis und Busse unterwegs, dass die Straßen dicht waren und wir mehr standen als fuhren.
Das Problem dabei war nur, dass es schon kurz vor sechs war und das Konzert um sieben begann. Endlich zuhause angekommen wollten wir und schnell umziehen und dann auch sofort los – doch wo war unser Gastbruder? Er hatte mittags beschlossen, auch zu dem Konzert zu gehen und wollte sich noch schnell eine Karte kaufen – also saßen wir auf heißen Kohlen und warteten...
Um kurz vor sieben war er dann endlich da & es ging los.
Er war die Ruhe selbst, da er der Überzeugung war, dass das Konzert sowieso später anfängt.
UND ER HATTE RECHT!!
Als wir ankamen, waren noch total wenig Leute da und das Konzert fing erst um halb neun an :D
NA TOLL :D
Aber der ganze Stress und das Warten haben sich gelohnt, denn es war echt ein super Konzert. Von Salsa über Ska bis Raggaeton war alles vertreten.
Und pünktlich um 12 gab es dann ein Feuerwerk und alle haben die Hymne Arequipas gesungen.
Damit war das Konzert aber noch lange nicht vorbei, das war es nämlich erst gegen 3 Uhr (obwohl zwei Künstler, die eigentlich kommen sollten kurzfristig doch nicht da waren – wie lange hätte das Konzert denn dann eigentlich gedauert? ;D).

mein Gastbruder und ich

Warten bis das Konzert endlich anfängt..
Tito el Bambino live :)

Happy Birthday Arequipa ;)
Der eigentliche Geburtstag wurde dann mit einem großen Umzug gefeiert, dieser dauert von ca. 11 Uhr morgens bis spät am Abend.
Das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen.
Aber das war alles gar nicht so einfach, denn die Straßen waren voller Leute, die den Umzug sehen wollten und rechts und links von der Straße waren Stuhlreihen aufgebaut. Man konnte sich einen Stuhl für den Tag mieten. Aber die 25 Soles (ca. 8€) waren uns dann doch zu teuer und so haben wir kurzerhand unsere eigenen Stühlchen mitgebracht und uns hinter die Leute gesetzt – dementsprechend schlecht war leider auch die Sicht. Aber mit hin & wieder aufstehen konnte ich doch einiges sehen :)
Am Umzug teilgenommen haben verschiedene Gruppen und Firmen aus Arequipa. Außerdem gab es Gruppen aus den verschiedenen Regionen Perus und auch aus anderen Ländern Südamerikas, wie z.B. Chile oder Brasilien. Die Gruppen hatten traditionelle Kleidung an und haben traditionelle Tänze vorgeführt. Dem Zuschauer wurde also eine Vielfalt an Traditionen und Bräuchen präsentiert – sehr sehenswert und farbenfroh :)
(Wir haben nicht den ganzen Umzug angeschaut, denn es sind immer mehr Menschen gekommen, was die Sicht nicht gerade verbessert hat. Außerdem ist es fast unmöglich so lange aufmerksam zuzuschauen. Trotzdem war es echt sehenswert!)

kurz vor Umzugsbeginn war die Straße noch voller Menschen, die einen guten Platz gesucht haben
so wah es rechts und links von der Straße aus - ein Stuhl für ca. 8€
 


Musik aus den verschiedensten Teilen Perus und Südamerikas, ...
 

... traditionelle Tänze ...

und traditionelle Kleidung :)

Und das Fest hört noch nicht auf. Es gibt z.B. noch Aufführungen verschiedener traditioneller Tänze, was ich mir nicht entgehen lassen werde.
Ein Riesenaufwand für den Geburtstag einer Stadt oder ?!  Aber man wird ja nur einmal 472 Jahre alt :D
(Das ist übrigens in jeder Stadt hier in Peru so – in jeder Stadt wird der Jahrestag der Gründung gefeiert.)

Für alle Interessierten, hier die Hymne Arequipas (ich hoffe Gema macht mit ;D):
So, danke an alle, die sich die Zeit genommen haben, meinen Roman zu lesen :D
Bis bald, un besito (Küsschen),
eure Anne :)

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