Mittwoch, 15. Mai 2013

Eine Woche im Zeichen der Mutter

 Überall sieht man Herzen, Bilder von Müttern mit Kindern, Banner mit der Aufschrift „Feliz día mamá“ etc. und einem wird klar: Bald ist Muttertag. Auch in den beiden Schulen, in denen ich arbeite, drehte sich letzte Woche alles um die Mama.
Deshalb wurde ich in letzter Zeit auch sehr oft gefragt, ob ich Mama bin. ;) (Das wurde ich davor auch schon, aber je näher der Muttertag kam, desto häufiger kam auch diese Frage.)
In Villa Independiente wurde schon seit Wochen in jeder Klasse ein Tanz eingeübt und in La Mansión wurde fleißig gebastelt, Gedichte und Theaterstücke eingeübt, getanzt, gesungen etc.
Ihr merkt vermutlich, dass der Muttertag hier sehr groß gefeiert wird. In jeder Schule gibt es eine große Muttertagsfeier, zu der die Mütter eingeladen sind.
Ich habe in dieser Woche auch kein Englisch unterrichtet, sondern wir haben die Deko für die Muttertagsfeier gebastelt und für die Mamas kleine Kärtchen.


Am Donnerstag war dann die Muttertagsfeier in Villa Independiente.
Jede Klasse sollte für die Mütter einen Tanz vorführen. Dafür wurden extra Kostüme ausgeliehen und die Kids kamen sehr schick zur Schule – sogar die Kindergartenkinder waren geschminkt.
Als es dann ans Umziehen ging, mussten alle ran. Hier etwas zubinden, dort Schuhe anziehen – wie bei einer Modenschau ;)
Und dann ging es los: Zuerst wurde die „policia escolar“ (Schulpolizei) vereidigt, dazu kam ein Polizist an die Schule und alle „Schulpolizisten“ mussten ihre rechte Hand erheben und einen Schwur leisten. Ihr fragt euch jetzt sicherlich, was das denn soll, Schulpolizei?!?? Dazu am Ende sieses Blogeintrages mehr.
Danach durfte jede Klasse nach wochenlangem Üben endlich ihren Tanz vorführen. Und es war echt super!
Danach wurde ein "Drill" vorgeführt, eine Art Sport-Tanz, den der Sportlehrer mit allen Schülern eingeübt hatte und dann kam der Höhepunkt des Tages (-Trommelwirbel-): Englische Lieder! :)
Lara und ich singen ja mit den Kids im Unterricht auch Lieder und diese wollten wir den Müttern natürlich nicht vorenthalten :)
Aber seht selbst:´
Vereidigung der "policia escolar"
 
der Kindergarten mit Lehrerin in einer traditionellen Tracht aus dem Colca-Tal nahe Arequipa

die erste Klasse beim Tanzen
die sechste Klasse in selbstgebastelten Kostümen
die"wilden" Jungs der fünften Klasse ;)
die Direktorin, die fünfte Klasse, ihr Klassenlehrer, Lara und ich
drei Mädels aus der ersten Klasse und ich (keine Sorge, die komischen rot-pinken Flecken in meinem Gesicht sind nur Abdrücke von geschminkten Schüler-Lippen, die mir Küsschen gegeben haben ;) )
der Sportlehrer und die Schüler beim "Drill"
 

Am Schluss hat jede Mama noch ein kleines Geschenk und etwas zu essen bekommen und dann gings nach Hause.

Am Freitag stand dann die Muttertagsfeier in La Mansión auf dem Programm.
Hier gab es nicht nur Tänze, sondern alles von Gedichten über Lieder und Tänze bis zu kurzen Theaterstücken.
Auch hier hat jede Mama etwas zu essen bekommen.
Außerdem wurden in jeder Klasse zwei Päckchen verlost. Jedes Kind musste in der Woche vor der Feier etwas mit zur Schule bringen, ob ein Päckchen Reis, Nudeln, Streichhölzer, etc. – was man eben im Haushalt alles braucht. All dies wurde pro Klasse auf zwei Päckchen aufgeteilt, welche dann unter den Mamas verlost wurde.
Auch diese Feier war sehr schön!

 

Mamas und Schüler versammelt

die erste Klasse beim Vortragen eines Liedes

die sechste Klasse beim Tanzen
die dritte Klasse ...
... und ihr Theaterstück

An dieser Stelle allen Mamas noch nachträglich FELIZ DIA - einen schönen Muttertag ;)


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Schulpolizei und Co.

Hier in Peru werden zum Anfang des Schuljahres in jeder Klasse verschiedene Posten vergeben. Das ist vergleichbar mit dem Amt der Klassensprecher, Tagebuchdienst etc.
Nur wird in den meisten Klassen nicht gewählt, sondern der Lehrer bestimmt, wer welches Amt belegt. Es gibt von „policia escolar“ (Schulpolizei) über „cruz roja“ (Rotes Kreuz) bis hin zu „medio ambiente“ (Umwelt) fast alles.
Als diese Ämter vergeben wurden, kam eine Schülerin ganz glücklich zu mir hergerannt und meinte: „Señorita, Señorita, yo soy cruz roja!“ (Señorita, ich bin das rote Kreuz!) Und dann meinte sie etwas nachdenklicher: „Qué es cruz roja?“ (Was ist das rote Kreuz?).
Und schon so macht die Vergebung verschiedener Ämter Sinn. Die Kids, die ein Amt haben, sind sehr stolz darauf. Und die anderen sehen es Großteils als Anreiz, ihr Verhalten zu verbessern, um im nächsten Jahr vielleicht auch ein Amt zu bekommen.
Und die Ämter und Amtsinhaber werden wirklich respektiert! Wenn ein „Umwelt-Beauftragter“ einen Mitschüler auffordert, den Müll wegzubringen, dann wird das meist ohne Widerrede getan. Oder wenn der Lehrer aus der Klasse geht und die „Schulpolizei“ auffordert, für Ordnung zu sorgen, so laufen diese „Streife“ im Klassenzimmer und werden respektiert.
Außerdem gibt es auch ein „Municipio Escolar“, eine Art SMV, die jedoch nur aus sechs gewählten Schülern besteht.
Am Ende jedes Schuljahres bilden die Schüler 6er-Gruppen, die sich dann zur Wahl stellen. Untereinander wird dann schon ausgemacht, wer im Falle eines Wahlsieges welchen Posten einnehmen wird und dann stellen sich die Gruppen der Schülerschaft vor.
Ein Schultag ist dann Wahltag. Jedes Kind muss mit einer Kopie seiner DNI (Ausweis) kommen und kann dann für eine der Gruppen seine Stimme abgeben.
Die Gruppe mit den meiste Stimmen gewinnt und ist das neue „Municipio Escolar“, vertritt also im kommenden Schuljahr die Interessen der Schülerschaft. Der „Vorstand“ des „Municipios“ ist der „Alcalde“ (Bürgermeister), vergleichbar mit dem Schülersprecher.

Dienstag, 16. April 2013

Kurzgeschichten aus dem Leben einer Freiwilligen

Der Namenswahnsinn
Im Unterricht ruft es plötzlich „Mamii“ und auch im Comedor werde ich in letzter Zeit häufiger mit „Mami“ angesprochen. Während manche sich sofort verbessern, gibt es einige die es wiederholt sagen und einer antwortete auf den Hinweis seines Klassenkamerades, dass er mich gerade „Mami“ genannt hatte, ganz gelassen: „Na und, die Señorita könnte auch meine Mami sein, stimmts Señorita?!“
Ääähm... theoreeeetisch. Aber ich bin es nicht – bleiben wir lieber bei Señorita, Profesora, Maestra, Miss, Señorita de Inglés, Miss Anne, Annita, Anet, Ana, Any, Annecita oder einfach nur Anne.
Ja, mein Name führt nicht selten zu Verwirrung. Im Starbucks wird ja bekanntlich nach dem Namen gefragt, wenn man etwas bestellt und es ist jedes Mal aufs Neue ein Spaß, welcher Name dieses Mal auf meinem Becher stehen wird und v.a. wie man ihn aussprechen wird. Meine Freunde haben sich schon einen Spaß drauß gemacht, dass sie jedes Mal mich zum Bestellen schicken und dann wird gerätselt, was dieses Mal rauskommt.

Kids make the world go round
Kommt kürzlich ein Kind auf mich zu und meint „Señorita, schau mal, ich hab eine Taube!“ Komisch.. ich sehe nichts, okay dann fragen wir eben mal, wo sie denn die Taube hat. „In meinem Rucksack!“ „Waaas? Lass sehen!“ Die kleine macht den Rucksack auf und da liegt allen Ernstes eine Taube drin… aber tot. „Ich werde sie heilen.“ Sagt die Kleine, „Aber Ruth, die Taube ist tot. Die kannst du nichtmehr heilen!“ „Nein Señorita, die schläft nur.“ 

Verrückte Welt
Am Montag habe ich mit meinen 6. Klässlern das erste Examen geschrieben. Ja ihr hört richtig, ich schreibe Examenes. Ratet mal warum… Weil die Kids es wollen!
Ja, ihr hört richtig, die Kids wollen Examenes schreiben! Dasselbe gilt für die Hausaufgaben. Jede Englischstunde werde ich gefragt, was ich heute als Hausaufgabe aufgeben werde und wenn ich dann am Ende der Stunde etwas aufgebe, brechen die Kids in Jubelschreie aus. Verrückt oder?
Aber mir solls recht sein, wer hat denn nicht gerne so motivierte Schüler ;)
Zurück zum Examen. Es gab wirklich alle Typen von Schülern – manche haben wirklich gelernt und wussten fast alles, andere haben von ersteren abgeschrieben und nochmal andere haben ganz dreist ihr Heft auf dem Schoß gehabt und daraus abgeschrieben – aber mir entgeht nichts :D
Leider gab es auch welche, die sich keine Mühe gegeben haben und das leere Blatt abgegeben haben. Aber das kennt wohl jeder Lehrer.
Ein Schüler meinte sogar: “Señorita, kann ich das mitnehmen und dann machen wir es im Comedor zusammen?!“ Waas?! :D Ähm, nein, das machst du schön hier und allein…


Ihr seht, manchmal läuft hier alles drunter und drüber, aber mit etwas Humor klappt es doch immer irgendwie ;)
Solche Erlebnisse wie in den Kurzgeschichten geschildert machen es ja erst richtig spannend – und mit Kindern wird es einem eh nie langweilig :)
Ihr merkt sicherlich, dass mir die Arbeit immernoch richtig viel Spaß macht und ich mich sehr wohl fühle :)

Ich hoffe euch gehts auch gut ;)

Liebe Grüße aus Arequipa,
eure Anne

Mittwoch, 10. April 2013

Der Comedor zieht um...

Mitte März bekamen wir die Nachricht, dass die Besitzerin des Hauses, in dem sich der Comedor befand, ihr Haus umbauen möchte. Dort hatten wir das Erdgeschoss gemietet und darin befand sich der Comedor. Wir mussten also zum Ende des Monats umziehen..
Deshalb haben sich die Mütter fleißig auf die Suche nach möglichen Lokalen gemacht, die wir dann auch besichtigt haben. Zum Glück haben wir schnell was geeignetes gefunden.

Und am 27. März hieß es dann: Umzug.
Morgens um halb 10 gings los. Mit Schubkarren wurden Töpfe, Pfannen, Kisten etc. vom alten in den neuen Comedor transportiert. Alle haben angepackt, es wurden Regale ausgeräumt, geschleppt, geputzt, eingeräumt. Ein Regal mussten wir sogar auseinanderbauen und im neuen Lokal dann wieder zusammenbauen (ohne Ikea-Anleitung gar nicht so einfach :D).
Und das alles mit reiner Frauenpower! Ich war echt begeistert! Da wurde richtig schwer getragen, nicht einmal vor dem Kühlschrank sind die Mütter zurückgeschreckt. Ohne motzen haben sie alles von einem Ort zum anderen transportiert – teilweise sogar mit Kind auf dem Rücken. In anderen Fällen wurde das Babytragetuch kurzfristig umfunktioniert, um Lasten tragen zu können.
Echt klasse!
Als dann die Kids zum Essen kamen, hatten wir plötzlich einen Berg übereifriger Helfer. „Señorita, darf ich helfen?“ Deshalb hatten wir fleißige Bänke-Träger, Regalputzer, Schrauben-Reicher, Regalaufbau-Helfer etc. was uns echt einiges erleichtert hat.
Und so ist der Comedor mit vereinten Kräften umgezogen.

Inzwischen sind wir seit über einer Woche im neuen Lokal, haben uns auch schon eingerichtet und es läuft sehr gut. Und da der neue Comedor näher an der Schule liegt, kommen auch immer mehr neue Kinder :)

 
P.S. Ich würde euch gerne Bilder vom Umzug und vom neuen Comedor hinzufügen, habe aber leider gerade kleine technische Probleme. Die Bilder werden aber nachgereicht – versprochen! ;)

Samstag, 16. März 2013

Warum ich mir innerhalb von zwei Stunden fünfmal die Zähne geputzt habe

Wie im letzten Blogeintrag schon angekündigt, gibt es dieses Jahr eine Neuerung an der Schule Villa Independiente: Wir putzen uns die Zähne.
Die Kids dort bekommen täglich ein Schulfrühstück und in Zukunft werden danach die Zähne geputzt.
Dazu wurden am Robert-Bosch-Gymnasium in Langenau, der Partnerschule der Grundschule hier, Zahnbürsten und Zahnpasta gesammelt: Laras und meine Eltern haben diese dann bei ihrem Besuch mitgebracht.
Nun kann es also losgehen: Letzten Donnerstag machten wir uns mit Zahnbürsten, Zahnpasta und Plakaten bewaffnet auf zur Schule.
Nach dem Schulfrühstück gingen wir von Klasse zu Klasse, um den Kids das Zähneputzen beizubringen.
Zuerst haben wir mit einem kleinen Theaterstück erklärt, warum es wichtig ist, die Zähne zu putzen.
Dann haben wir die Bewegungen trocken (ohne Wasser und Zahnpasta) erklärt und sind danach ans Waschbecken um die Zähne zu putzen.
Ich ging natürlich mit gutem Beispiel voran und hatte somit am Ende fünfmal meine Zähne geputzt (plus unzählige Trockenübungen) :)
Leider mussten wir feststellen, dass viele Kinder nicht wissen, wie man seine Zähne richtig putzt, manche hatten in ihrem Leben noch keine Zahnbürste in der Hand. Kein Wunder, dass sie schlechte Zähne haben und es ihnen beim Essen wehtut.
Danke an alle, die dazu beigetragen haben, dass wir nun täglich mit den Kids die Zähne putzen können!
Eure Anne

 
Cómo cepillarse los dientes? - Wie putze ich mir die Zähne?
(danke an Judith und Sarah für die Vorlage ;) )
Diese Plakate hängen jetzt in jedem Klassenzimmer und am Waschbecken.


Erklärungen im Klassenzimmer

Zahnpasta drauf...

... und losschrubben!







 

Dann ausspucken ...


... und ausspülen - FERTIG! :)



Donnerstag, 14. März 2013

Schulanfang

Die Ferien sind vorbei – die Schule beginnt wieder! – Wirklich? – Sí, pero poco a poco. (Ja, aber erst nach und nach)
Mit dem Schulanfang wird es hier nämlich nicht so streng genommen. Am ersten Schultag waren nur etwas mehr als die Hälfte aller Schüler in La Mansión. Außerdem wusste man noch nicht genau, wie hoch die gesamte Schülerzahl denn genau sein wird, da die Eltern ihre Kinder erst nach und nach einschreiben.
La Mansión? – Ja , ihr habt richtig gelesen. Ich werde weiterhin an der Schule in La Mansión unterrichten. Aber von vorne.

Montag, 4.3.2013, 6 Uhr: Mein Wecker klingelt. Waaaas?! Schon aufstehen?! Ja, denn es ist Schulanfang.
Nach dem ersten Schock hat mich dann doch die Vorfreude aus den Federn getrieben.
Wie ich euch berichtet habe, habe ich im November und Dezember probeweise in La Mansión an der Schule Englisch unterrichtet und da meine Erfahrung dort großteils positiv war, werde ich dieses Jahr schwerpunktmäßig in La Mansión unterrichten.
Vielleicht erinnert ihr euch auch, dass ich nicht von allen Lehrern mit offenen Armen empfangen wurde. Da es in der Vergangenheit einen Konflikt zwischen dem Projekt und dem ehemaligen Rektor der Schule gab und dieser einige Informationen falsch weitergeleitet hat. Deshalb waren einige Lehrer misstrauisch.
Das war auch der Grund, weshalb ich am Montag mit leichtem Bauchgrummeln aus dem Haus ging – ja, ich war nervös. Ich möchte dieses Jahr alle Klassen im Fach Englisch unterrichten und dazu brauchte ich die Erlaubnis der Lehrer.
Mission Impossible? – Nothing is impossible!
Und tadadadaaaaa: Ich darf alle Klassen unterrichten und die Lehrerinnen des Inicial (Kindergarten, in Peru ist der Kindergarten in drei Klassen aufgeteilt: Kinder mit 3, 4 und 5 Jahren. Und sie werden schon etwas unterrichtet) haben mich gefragt, ob ich nicht auch noch ihre Kids unterrichten könnte.
Super, ich mache mir Sorgen, ob mich die Lehrer unterrichten lassen und muss dann letztendlich auswählen, wen ich unterrichte.
Ich habe mich so entschieden: Klasse 4-6 jeweils 90min pro Woche, Klasse 1-3 und den Inicial für die 5-jährigen jeweils 45min pro Woche. Den Inicial für die 4- und 3-jährigen werde ich nicht unterrichten.
Ich bin in Zukunft also drei Tage pro Woche in La Mansión an der Schule (Mo – Mi). Nach der Schule gehe ich direkt mit den Kindern in den Comedor und werde auch wieder Mittagsbetreuung anbieten.
Donnerstags wird mein einziger Tag an der Schule Villa Independiente sein. Ich werde die erste und zweite Klasse, sowie auch den Inicial (wegen der geringen Schülerzahl gibt es in Villa Independiente nur einen Inicial) unterrichten und wieder Schwimmunterricht geben.
Freitags bin ich dann wie gewohnt nur im Comedor.

Soviel zu meinem Stundenplan, jetzt zum Schulanfang in Peru.
Man könnte es eigentlich mehr als Schulanfangs-Woche bezeichnen. Denn es dauert wohl etwa eine Woche, bis alle zur Schule kommen.
Deshalb kann in der ersten Woche auch noch keiner genau sagen, wie viele Schüler in jeder Klasse sein werden.
Doch an was liegt das? Zum einen muss man in Peru die Kinder jedes Jahr aufs Neue einschreiben – und jedes Jahr kostet das. Manchen fehlt dazu eventuell das Geld. Außerdem herrscht hier allgemein die Meinung, dass man in der ersten Schulwoche sowieso nichts arbeitet. Deshalb schicken die Eltern ihre Kinder erst nach und nach zur Schule.
Und siehe da, nach einer Woche waren dann doch tatsächlich fast alle Schüler da.

Neuerungen 2013: Wir putzen Zähne :)
Wir fangen jetzt mit den Schülern an der Schule Villa Independiente an Zähne zu putzen.
Die Kids dort bekommen ein Schulfrühstück und danach wird ab jetzt geschrubbt :)
Dank Zahnbürsten und Zahnpasta, die am Robert-Bosch-Gymnasium in Langenau (Partnerschule von Villa Independiente) gesammelt wurden und von Laras und meinen Eltern nach Peru transportiert wurden (inklusive Bescheinigung, dass das eine Spende sei und kein Zahnbürstenschmuggel), können wir das Projekt endlich beginnen.

Danke an alle, die Zahnbürsten oder Zahnpasta gespendet haben!!!!

Ich halte euch auf dem Laufenden ;)

Un abrazo desde Arequipa (eine Umarmung aus Arequipa),
eure Anne

Samstag, 23. Februar 2013

3 1/2 Wochen quer durch Peru

Eigentlich sollte ich am 12. Januar in Bolivien sein, denn dort fand mein Zwischenseminar statt. Doch da hat mir meine Gesundheit wieder mal einen Strich durch die Rechnung gemacht: Ich hatte Parasiten und Bakterien, weshalb ich mein Zimmer nicht wirklich verlassen konnte und somit auch nicht reisen konnte. Da waren natürlich die Enttäuschung und der Frust groß.
Nach einigen Tagen voller Antibiotika und kaum essen (laut Arzt nichts Rohes, kein Käse, keine Wurst, so wenig Fett wie möglich, keine Schokolade, etc. etc. etc.) ging es mir zum Glück deutlich besser und ich wurde von einem peruanischen Freund eingeladen, mit ihm seine Familie in Ica und Lima zu besuchen. Diese Einladung habe ich natürlich gerne angenommen und so ging es am 17. Januar im Nachtbus los von Arequipa nach Ica – die Reise beginnt! :)

Ica: Eine peruanische Familie, viele Früchte und "chorros" (Diebe)
Ica liegt ca. 11h Busfahrt nördlich von Arequipa.
Dort haben wir viel Zeit mit Familie meines Freundes verbracht. Ich wurde total herzlich aufgenommen und lecker bekocht. Seine Großeltern wohnen etwas außerhalb der Stadt. Hinter dem Haus befindet sich ein riesiger „Garten“. Dort werden die verschiedensten Dinge angebaut und später dann verkauft: Mangos, Avocados, Limonen, Trauben, Pecanas (eine Nusssorte) uvm. – es war wie im Paradies. Ich habe den ganzen Tag frische und superleckere Früchte gegessen (zum Glück durfte ich wieder Rohes essen). – Das war die schöne Seite Icas.
Die leider nicht so schöne: Ich wurde zum ersten Mal beklaut.
Wir waren in einem "colectivo" (Sammeltaxi) unterwegs und saßen zu zweit auf dem Beifahrersitz (in colectivos normal). Das Fenster war etwas mehr als halb geöffnet, der Rucksack auf dem Schoß und an einer Ampel ist es dann passiert: Plötzlich schoss eine Hand zum Fenster herein, schnappte den Rucksack und zog fest daran. Wir haben zwar beide noch versucht, den Rucksack festzuhalten, leider ohne Erfolg. Das war ein Schock! Doch wir hatten Glück im Unglück, es war „nur“ Geld und Schokolade im Rucksack. Keine Kamera, keine Kreditkarte, kein Handy – es hätte also schlimmer kommen können.
auf der Plaza de Armas in Ica

Lima – Ancon: Sonne, Strand und Meer
Nach zwei Tagen in Ica ging es mit einer Tante meines Freundes weiter nach Lima, der Hauptstadt Perus. Sie hat dort ein Haus in Ancon. Das liegt etwas außerhalb der Stadt und das Beste: Es liegt direkt am Strand! Das haben wir natürlich genutzt um uns im Meer zu erfrischen und leckeren Fisch zu essen. 
Ancon
Soweit war die Reise geplant – doch dann fing das Ganze an interessant und improvisiert zu werden. Die Tante meines Freundes musste nach Trujillo, einer Stadt weiter im Norden. Sie hat uns angeboten, uns mitzunehmen und wir beschlossen, dieses Angebot anzunehmen.
Also wurde der Koffer gepackt und los gings.

Trujillo: Kultur, Strand, Tanz
In Trujillo haben wir eine Tour gemacht. Zuerst ging es zu der „Huaca del Sol y de la Luna“ (Sonne- und Mondpyramide), einem archäologischen Komplex der zwei „Gebäude“ umfasst, die von den Moche erbaut wurden. Die Moche-Kultur entwickelte sich 1. bis 8. Jhd. an der Nordküste Perus. Man vermutet, dass die „Huaca del Sol“ eine Art politisches und die „Huaca de la Luna“ eine Art religiöses Zentrum der Moches war. Danach ging es nach Chan Chan. Dies ist die größte aus Lehm erbaute Stadt Lateinamerikas und die zweitgrößte der Welt. Sie wurde von den Chimús erbaut, einer weiteren präkolumbinischen Kultur, die ca. 1000 - 1400 den Norden Perus besiedelte. Chan Chan wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt.
Plaza de Armas in Trujillo
Huaca del Sol (Sonnenpyramide)
In der Huaca de la Luna (Mondpyramide)
Chan Chan
 Nach so viel Kultur ging es noch nach Huanchaco an den Strand. Dort haben wir ein sehr leckeres Ceviche gegessen (roher Fisch, der in Limettensaft mariniert wird) und die Totoras (aus einer bestimmten Schilfart hergestellte Bootchen) in den Wellen betrachtet.
Strand von Huanchaco
Ich mit einer Totora
Zurück in der Stadt haben wir noch den „Concurso de la Marinera“ besucht. Die Marinera ist ein traditioneller peruanischer Tanz und in Trujillo fand ein Wettkampf dieses Tanzes statt. (Da die Reise improvisiert war, haben wir uns vorher nicht informiert. Bei unserer Ankunft haben wir uns nur gewundert, warum alle Hotels so voll sind. Bis uns irgendwann jemand erklärte, dass momentan dieser Wettkampf ist und Touristen aus ganz Peru und auch aus anderen Ländern in der Stadt sind.) In unserem Hotel war eine Gruppe untergebracht, die auch an dem Wettkampf teilnahmen. Sie haben den ganzen Tag geübt, deshalb hatte ich ständig die Melodie der Marinera im Kopf ;)
Concurso de la Marinera (Tanzwettkampf)
Da wir nur schon in Richtung Norden unterwegs waren kam uns eine Idee: Warum eigentlich nicht noch weiter? Gesagt getan – auf gings zum Busterminal und schon hatten wir Tickets nach Cajamarca gekauft.
Mit dem Bus ging es dann über Nacht also weiter nach Cajamarca.

Cajamarca: Eine wunderschöne Stadt, Regen, Käse
Als wir ankamen, sind wir erstmal erschrocken: Es war verdammt kalt! In Trujillo sind wir noch in kurzer Hose rumgelaufen und in Cajamarca haben wir als erstes unsere Jacken ausgepackt.
Gut, wir waren auch nichtmehr an der Küste, sondern in der „sierra“, dem peruanischen Hochland und dort herrscht nun eben gerade Regenzeit.
Nachdem wir alles im Hostel abgeladen haben, sind wir in die Baños del Inca (Thermalbäder) – das war richtig schön entspannend :)
Baños del Inca (Thermalbäder)
Am nächsten Tag haben wir eine Tour in das Valle de Otuzco (Otuzco-Tal) gemacht, ein sehr schönes Tal bei Cajamarca. Der erste Stopp war an einer Hängebrücke, dann ging es weiter zum Höhepunkt: Den „Ventanillas de Otuzco“. Diese archäologische Stätte sieht auf den ersten Blick aus wie Fenster in Felsen, war jedoch Grabstätte einer weiteren präkolumbinischen Kultur, der Cajamarca-Kultur.
Hängebrücke im Valle de Otuzco (Otuzco-Tal)
Ventanillas de Otuzco

Nach einem kurzen Stopp in einem Hortensiengarten ging es noch in eine Käserei. In der Region um Cajamarca werden viele Kühe gehalten und deshalb werden dort auch sehr viele Produkte aus Milch hergestellt – sehr lecker!
eine sehr schöne Kirche an der Plaza de Armas
Cajamarca von oben

Chiclayo: schöner Strand, aber die Stadt hat nichts besonderes
Danach ging es nach Chiclayo. Die Stadt selbst ist nicht wirklich schön, deshalb beschlossen wir, nach Pimentel an den Strand zu gehen. Dort haben wir also einen weiteren entspannten Strandtag verbracht :)
Pimentel
Zum Mittagessen habe ich mir einen leckeren „arroz con mariscos“ (Reis mit Meeresfrüchten) gegönnt, was sich am Abend leider als Fehler herausstellte. Mir war kotzübel und wenn ich jetzt an Meeresfrüchte denke, wird mir noch immer schlecht – das wars dann wohl mit Paella und co.

Chachapoyas: Dorfcharakter, eindrucksvoller Wasserfall
Mit immernoch grummelndem Magen gings weiter nach Chachapoyas. Diese Stadt hat noch immer einen eher dörflichen Charakter und ist sehr gemütlich.
Dort haben wir einen Ausflug zu den „Cataratas de Gocta“ (Gocta-Wasserfällen) gemacht. Das ist der drittgrößte Wasserfall der Welt! Er stürzt in zwei Etappen insgesamt 771m in die Tiefe.
Um zum Wasserfall zu gelangen, muss man von Cocachimbo (ein kleines Dorf 1,5h von Chacha entfernt) noch 2h laufen. Die Wasserfälle befinden sich schon fast in der „selva“, dem Regenwald, weshalb man den Weg (ein ständiges auf und ab) in feucht-heißem Klima zurücklegen muss. Entsprechend fertig kamen wir auch an den Wasserfällen an, aber es hat sich echt gelohnt! Der Anblick ist fantastisch!
die Cataratas de Gocta aus der Ferne
wir kamen immer näher
endlich angekommen :)
die Wege waren ziemlich matschig (man konnte sich Gummistiefel für den Weg ausleihen)

Nachdem wir den Anblick genossen und viele Fotos gemacht haben, traten wir durchnässt den Rückweg an. Wir haben uns ziemlich nahe an den Wasserfall herangewagt und wurden deshalb ziemlich nass :)

Wie sollte unsere Reise weitergehen? Wir hatten zwei Möglichkeiten:
1. Wir machen uns auf den Rückweg in Richtung Arequipa
2. Wir reisen noch weiter in den Norden
Es sind Ferien, wir haben Zeit, wir sind schon ziemlich weit im Norden – warum nicht noch weiter?
Also los!

Mancora: Mini-Ibiza, Strand, Surf, Fiesta, Krankenhaus
Von Chachapoyas ging es wieder nach Chiclayo, von dort aus weiter nach Piura und dann nach Mancora.
Mancora ist in ganz Peru bekannt, ich würde es als Mini-Ibiza beschreiben: Strand, Sonne, Party.
Nachdem wir am ersten Tag den Strand genossen haben, wollten wir am zweiten Tag surfen. Es hat dort nämlich eine Surf-Schule und gute Anfänger-Wellen. Doch für mich wurde daraus nichts, ich lag mit Bauchschmerzen am Strand. Mittags wurden die Schmerzen so heftig, dass ich ins Bett gelegen bin. Nachdem es nicht besser wurde und sich die Schmerzen nach und nach auf den linken Unterleib konzentrierten, beschlossen wir, ins Krankenhaus zu fahren. Dort wurde ich untersucht und bekam dann erstmal eine Infusion. Ich hatte mir eine Infektion eingeholt und musste Antibiotika nehmen. Aber damit gings mir zum Glück schnell wieder besser.
Damit ich mich noch einen Tag mehr erholen konnte, beschlossen wir, noch etwas weiter in den Norden zu fahren – nach Punta Sal.

Punta Sal: Relajarse, wunderschön, Entspannung pur
Punta Sal liegt eine halbe Stunde von Mancora entfernt, ist jedoch das krasse Gegenteil. Dort ist es ruhig, keine partywütigen Menschen, keine laute Musik – nur das Meeresrauschen.
Das haben wir in vollen Zügen genossen und uns entspannt.
Am nächsten Tag fühlte ich mich viel besser und so beschlossen wir, die Rückreise anzutreten (wir waren zwar nur 1,5h von der ecuadorianischen Grenze weg, aber man kann leider nicht alles haben ;) ).

am Strand von Punta Sal
Also traten wir die Rückreise an: Zuerst nach Mancora, von dort aus dann nach Lima – 19h Busfahrt.
Tat das gut in Lima die Beine mal wieder richtig zu bewegen.

Lima: Erholungspause
Um uns von dieser Fahrt zu erholen (und da alle Busse schon voll waren), blieben wir eine Nacht in Lima. Wir haben uns mit dem Bruder meines Freundes, der in Lima studiert, getroffen, waren essen und sind dann noch ins Kino.
Am nächsten Morgen ging es dann ganz früh los – weiter nach Paracas.

Paracas: Ein letztes Mal Strand, Islas Ballestes
Paracas ist eine kleine Stadt am Pazifik, die eigentlich nichts besonderes hat außer den Islas Ballestas. Um diese zu sehen haben auch wir uns dorthin begeben.
Paracas
Die Islas Balestas sind Inseln, auf denen viele Tiere leben. So kann man dort Seehunde, Pinguine, Seesterne und allerlei Vogelarten betrachten.
Das war zwar schön, aber so richtig begeistert hat es mich nicht. Da es sowieso auf dem Weg lag, bereue ich den Besuch nicht, aber einen Umweg ist es nicht wert.
Pinguine ...
... Seehunde ...
... und allerlei Vögel auf den Islas Ballestas

Ica die zweite: Sandboard und der peruanische Karneval
Von Paracas ging es noch einmal nach Ica. Die Familie meines Freundes hatte uns noch einmal eingeladen.
Einen Tag sind wir nach Huacachina, einer Oase in der Nähe von Ica. Dort haben wir auch Sandboarding gemacht.
Am Sonntag hat sich die ganze Familie im Haus der Großeltern getroffen. Da habe ich dann den peruanischen Karneval kennengelernt. Nichts mit Verkleidungen, keine Umzüge, sondern einfach nur Wasser. Ja, ihr lest richtig, „Carnaval“ ist hier eine einzige große Wasserschlacht.
Ein Teil der Frauen hat die Männer abgelenkt und der andere Teil kam mit Eimern voller Wasser. So haben sich zwei Mannschaften gebildet, „zufälligerweise“ Frauen gegen Männer und keiner war mehr sicher. Am Ende waren wir alle nass. :)

Nach 3 1/2 Wochen ging es dann wieder zurück nach Arequipa.
Ich habe die Reise sehr genossen und viele tolle Dinge gesehen.
Trotz - oder gerade wegen - Improvisation war es was ganz besonderes :)
Hier unsere Reiseroute:

von Arequipa bis Punta Sal ...
... und wieder zurück

Momentan genieße ich noch die letzte Ferienwoche, nächste Woche werden die Stundenpläne gemacht und am 4.3. geht es dann wieder los :)

Viele Grüße aus Arequipa, eure Anne

Montag, 18. Februar 2013

"Ha llovido feo, feo!" (Heftige Regenfälle in Arequipa)

Wie fühlt es sich an, wenn man die Stadt, in der man wohnt, in gutem Zustand verlässt und sie bei seiner Rückkehr halb zerstört auffindet?
Ich habe genau das erlebt und ich glaube ihr könnt euch die Antwort denken.

Ich war von Mitte Januar bis Mitte Februar auf Reisen (dazu in einem anderen Blogeintrag mehr). Am 8.2. musste ich dann via Anruf erfahren, dass es in Arequipa sehr, sehr stark geregnet hat und einiges zerstört wurde. Erst dachte ich, dass das alles ja nicht so schlimm sei, es hat halt geregnet, aber als ich dann den Fernseher einschaltete und am nächsten Tag die Bilder in der Zeitung sah, wurde mir bewusst, wie stark der Regen gewesen sein musste.

 Es hat über vier Stunden lang richtig heftig geregnet (laut Zeitungsberichten bis zu 124m³ pro SEKUNDE!), die Straßen wurden zu Flüssen, Häuser – v.a. Keller (was hier sehr selten ist, wer einen Keller hatte, hatte jedoch Pech) – sind vollgelaufen, Autos wurden weggeschwemmt oder von der Wucht der Wassermassen umgedreht, ganze Straßen sind einfach weggebrochen.
Die Feuerwehr konnte den vielen Notrufen bei weitem nicht nachkommen.

Straßen glichen Flüssen
 
Hier Kommentare von ein paar Freunden:
 
„Ich war im Bus, als es richtig heftig angefangen hat zu regnen. Da ging gar nichts mehr voran. Wir sind in drei Stunden keine 10m weit gefahren. Dann bin ich ausgestiegen und nach Hause gelaufen. Alles war chaotisch. Wäre ich nicht ausgestiegen, hätte ich vermutlich die ganze Nacht im Bus verbracht.“

„Meine Mutter hat mich von der Arbeit aus angerufen, ob ich sie mit dem Auto abholen kann. Da hat es noch nicht so heftig geregnet. Ich bin dann nach Hause gelaufen, um das Auto zu holen. Schon auf dem Heimweg richte mir das Wasser bis über die Knöchel, ich wurde total nass. Zuhause habe ich mich umgezogen und bin losgefahren. Aber schon nach fünf Minuten ging gar nichts mehr. Die Straße glich einem Fluss und vor mir hat es ein Auto einfach weggeschwemmt.“

„Den ganzen Tag war es richtig schönes Wetter.(Das ist während der Regenzeit hier in Arequipa normal. Morgens ist es schön und gegen Nachmittag oder Abend zieht es zu und beginnt zu regnen.) Ich war im Zentrum und wollte gerade nach Hause laufen, als ich bemerkte, dass es anfängt zu tropfnen. Das war um kurz vor fünf. Ich habe beschlossen, noch etwas zu warten. Aber es hörte nicht auf – im Gegenteil: Gegen halb 6 wurde der Regen auf einmal richtig stark. Jedoch wusste natürlich keiner, was für Auswirkungen er haben wird. Ich habe beschlossen, noch etwas zu warten – es wird schon wieder weniger werden oder sogar aufhören. Doch da habe ich mich getäuscht. Es wurde nicht weniger, es regnete stundenlang und richtig, richtig stark.“

 
Die Bilanz:
In der ganzen Stadt sind die Auswirkungen noch deutlich zu spüren:
Mein Nachbar ist seit Tagen damit beschäftigt, den Gehweg vor seinem Haus zu erhöhen. Er hat eine Garage im Keller und der Gehweg vor der Einfahrt war abgesenkt. So konnte das Wasser leichter eindringen und die Garage war bis knapp unter die Decke voller Wasser.
Überall liegen Sandsäcke und täglich sind Straßen wegen Aufräum- und Reparaturarbeiten gesperrt.
Fast alle Straßen sind beschädigt. In manchen ist der Asphalt nur teilweise weggebrochen, sodass man sie zwar befahren kann, es aber viele Schlaglöcher hat. Das ist sehr gefährlich und führt teilweise sogar zu Unfällen.
In anderen Straßen ist der ganze Asphalt weg, sodass die Straße einer ungeteerten Schotterpiste gleicht, aber auch diese Straßen sind befahrbar.
Nun zum schlimmsten Fall: Manche Straßen sind einfach weggebrochen. So z.B. die Avenida Venezuela, keine 5 Gehminuten von meinem Haus entfernt. 500m dieser Straße sind zerstört, die Reparaturarbeiten werden ca. 90 Mio. Soles (ca. 30 Mio. Euro) kosten. Wenn man die Luftaufnahmen betrachtet, sieht es aus, als wäre die Stadt in zwei Teile geteilt. So titelte eine Zeitung auch: „Ciudad blanca partida en dos“ (Die weiße Stadt [Arequipa] ist in zwei Teile geteilt).
 
"ciudad blanca partida en dos" - Arequipa in zwei Teile geteilt
die Avenida Venezuela ganz in der Nähe meines Hauses
durch wegbrechende Straßen sind Autos abgestürzt
 
Der Schaden beläuft sich Schätzungen zufolge insgesamt auf über 150 Mio. Soles (50 Mio. Euro). Davon abgesehen gibt es immense immaterielle Schäden: Es gibt 6 Tote. Wenn Wasser in die Häuser eingedrungen ist, hat es dort einiges zerstört und außerdem sind ganze Häuser unbewohnbar, da sie vom Wasser unterspült wurden und deshalb fast schweben. Auch deswegen ist die Angst vor einem Erdbeben oder einem „temblor“ (schwaches Erdbeben) gerade sehr hoch.

Bei mir zuhause ist zum Glück nichts passiert. In mein Zimmer ist gar kein Wasser eingedrungen, in die anderen Zimmer und die Wohnung meiner Gastfamilie nur sehr wenig.

Hoffentlich war das der stärkste Regen dieser Regenzeit. Momentan sieht es wettertechnisch ganz gut aus. Es hat seit mehreren Tagen nichtmehr geregnet, sodass die Aufräumarbeiten vorangehen.

Hier zwei youtube-Videos, die zeigen, wie es am Tag danach in Arequipa aussah (ich hoffe, GEMA macht mit):


(Das Kleingedruckte: Da ich selbst nicht in Arequipa war, habe ich für euch Bilder im Internet gesucht. Hier die Quellen, damit auch alles mit rechten Dingen zugeht – für mehr Bilder einfach „lluvias Arequipa 2013“ in google suchen)